Gefüge

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Ge|fü|ge [gə'fy:gə], das; -s, -:
innerer Aufbau:
das komplexe Gefüge des Romans; das ökologische Gefüge des Regenwalds; das wirtschaftliche und soziale Gefüge des Staats.
Syn.: Anlage, Bau, Gebilde, Struktur.

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Ge|fü|ge 〈n. 13
1. Aufbau aus vielen Einzelteilen, innere Ordnung, Struktur
2. 〈Met.〉 die Anordnung u. Größe der Kristallite in einem Werkstoff
● das \Gefüge eines Staates; ein kunstvolles, sinnreiches \Gefüge; ein \Gefüge aus Balken [→ fügen]

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Ge|fü|ge:
1) in der Metallographie Bez. für die durch Mikroskopie an Schliffen als regellose Anordnung von Kristalliten erkennbare Feinstruktur metallischer Werkstoffe; Globulite, Dendriten u. Sphärolithe sind die häufigsten Kristallformen;
2) in der Petrographie Bez. für den inneren Aufbau der Gesteine, gekennzeichnet durch Größe, Gestalt u. Kristallform (Struktur) sowie durch räumliche Anordnung u. Verbindungsart (Textur) der mineralischen Komponenten.

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Ge|fü|ge, das; -s, - [zu fügen]:
1. Gesamtheit des [sachgerecht] Zusammengefügten:
das G. der Balken;
ein G. aus Balken.
2. innerer Aufbau, Struktur, in sich zusammenhängende Gesamtheit mit einer bestimmten inneren Ordnung:
ein syntaktisches G.;
das wirtschaftliche, soziale G. eines Staates;
das G. eines Metalls.

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Gefüge,
 
1) Bodenkunde: Bodengefüge.
 
 2) Petrologie: innerer Aufbau eines Gesteins, der durch Angabe von Struktur (Größe, Gestalt und Kristallausbildung der mineralischen Bestandteile) und Textur (räumliche Anordnung und Verbindungsart der Minerale) beschrieben wird.
 
Das Gefüge von magmatischen Gesteinen unterscheidet man nach dem Grad der Ausbildung von Kristallen, nach der Korngröße, nach der äußeren Gestalt, der räumlichen Anordnung und der Verzahnung der Körner.
 
Bei Sedimentgesteinen ist neben Korngröße, -form und -verteilung auch das Bindemittel sowie der Porenraum und die davon abhängige Permeabilität wichtig. Die Einregelung der Körner ist v. a. durch die Schichtung gegeben.
 
Die metamorphen Gesteine zeigen meist eine Einregelung einzelner oder aller mineralischen Bestandteile (schlieriges, lagig-streifiges Gefüge, Schieferung). Ihr Gefüge beruht auf Deformation und auf Zerstörung (Kataklase) der vorhandenen Minerale (kataklastisches Gefüge) und auf mehr oder weniger gleichzeitigem Wachstum (Kristalloblastese, Metablastese) um- oder neu gebildeter Kristalle (blastisches oder kristalloblastisches Gefüge). Je nach Form und Anordnung der Kristalle unterscheidet man verschiedene Gefügetypen. Neben den durch die Metamorphose veränderten oder neu entstandenen Gefügeformen können auch unveränderte ältere Gefügemerkmale erhalten sein (Reliktgefüge).
 
Neben diesem Gesteinsgefüge (Korngefüge) tritt ein Großgefüge als Primärgefüge (Absonderung bei Magmatiten; Schichtung, Bankung bei Sedimenten) oder als tektonisch entstandenes Sekundärgefüge (z. B. durch Faltung, Klüftung oder Schieferung) auf.
 
 3) Werkstoffkunde: durch metallographische Untersuchung feststellbarer Aufbau metallischer Werkstoffe. Das Gefüge besteht im Wesentlichen aus einem regellosen Haufwerk zahlreicher gegeneinander verdrehter, einkristalliner Kristallkörner (Kristallite), die an den Korngrenzen miteinander in Zusammenhang stehen. Das im Schliffbild unter dem Mikroskop zu beobachtende Gefüge ist gekennzeichnet durch die Korngröße sowie die Form der Kristallite und deren Anordnung. In mehrphasigen Gefügen ist zwischen den Kristalliten der einzelnen Phasen zu unterscheiden. In Schliffbildern kann man drei Hauptkristallformen unterscheiden: 1) Polyeder, die in sehr grober Annäherung kugelige Gestalt haben und daher häufig auch Globulite genannt werden; 2) in bevorzugte Richtungen gewachsene Kristalle, z. B. die Dendrite (Tannenbaumkristalle) mit mehreren ausgeprägten Wachstumsrichtungen oder die im Gussgefüge zu findenden Stängelkristalle mit einheitlich ausgerichteter Längsrichtung; 3) Sphärolite mit fast vollkommener Kugelgestalt, die nur selten vorkommen, z. B. beim Sphäroguss.

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Ge|fü|ge, das; -s, - [zu ↑fügen]: 1. Gesamtheit des [sachgerecht] Zusammengefügten: das G. der Balken; ein G. aus Balken. 2. innerer Aufbau, Struktur, in sich zusammenhängende Gesamtheit mit einer bestimmten inneren Ordnung: ein syntaktisches G.; Das Ökosystem Wald ist ein komplexes G. (natur 4, 1994, 37); das wirtschaftliche, soziale G. eines Staates; das G. eines Metalls; die Männer entnahmen Gesteinsproben und untersuchten das G.; Bei den Unruhen im Juni 1953, die das ganze G. der DDR erschütterten (W. Brandt, Begegnungen 25); Zu den bedeutsamen Tendenzen der protektionistischen Wirtschaftspolitik gehört auch ihre Wirkung auf das innere G. der Industriewirtschaft (Fraenkel, Staat 135).

Universal-Lexikon. 2012.

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